[Kurzgeschichte] Krieg (2)

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RC 1136

Guest
Welche Bedeutung haben Namen?
Die meisten Wesen in der Galaxis nehmen anfangs wenig Einfluss darauf. Ihr Bewusstsein ist noch nicht weit genug ausgeprägt, aber irgendwann nehmen sie den Namen entweder an oder erfinden einen neuen. Für die meisten ist der Name auch nicht besonders von Bedeutung. Es war beinahe egal, wie man hieß, solange man etwas tat, wofür es sich lohnte, dass der Name nicht in Vergessenheit geriet. Lucky hatte keinen Namen bekommen. Er hatte ihn selbst gestaltet. Lucky, so wurde er genannt, seit er zehn war. Zehn. Zwanzig. Was spielte das Alter für Namen eine Rolle?

Lucky.

Ein seltsamer Name für die Meisten. CT-1000/4690 sah das anders. Er hatte Geonosis erlebt. Er hatte Geonosis überlebt. Er war ein Soldat der Großen Armee der Republik. Er war ein Klon, für ihn bedeutete sein seltsamer Name mehr als alles andere.

Wenn wir hier nicht schnell etwas Hilfe bekommen, dann können wir den Droiden gleich die Arbeit abnehmen…

Geräusche. Das Heulen des Windes.
Gerüche. Ein abgefeuerter Blaster.
Gefühle. Angst.

Wir müssen es versuchen. Los, los, los!

Einen sinnloseren Ort zu Sterben hätte man nicht finden können: Abseits der Fronten, fernab der schweren AT-TEs, die die Zielsucher-Spinnen in ihre Atome zerlegten, in großem Abstand zu dem Perimeter, den die feuergewaltigen SPHA-Ts bildeten, außer Reichweite der Turbolaser von Acclamator-Kreuzern. Warum die Kanonenboote sie hier abgeliefert hatten, wurde nicht hinterfragt. Aber die Schlacht war gewonnen, viele Soldaten bereits gefallen. Durch endlose Reihen von Kampfdroiden – ja besonders diese neuen Einheiten vom Typ B2 waren lästig geworden – gespickt von dürren Wesen mit viel zu groß erscheinenden Waffen, die Schallsalven abgaben, hatte das Flottenkommando sie geschickt. Die Jedi, die sie aus der großen Hinrichtungsarena geschleppt hatten, sie wurden wieder an die Spitze der Armee gestellt und versuchten, separatistische Truppen wo es nur ging abzuwehren. Viele fielen. Keiner war vorbereitet. Nicht einmal Lucky.
Die letzten Momente auf dem Drecksball im Äußeren Rand, an die er sich erinnerte, waren so pervers, so unmöglich, dass es ihm schwerfiel, überhaupt zu verstehen, dass er noch hier war. Alle anderen seiner Einheit, 19 Mann, hatte es an diesem einen Tag erwischt. Er war der glückliche Überlebende einer Gruppe, die heldenhaft gekämpft hatte. Heldenhaft, so würde es zumindest einer der schmierigen Reporter im HoloNet nennen, einer jener charakterlosen Wesenheiten, die ihr Dasein nur fristeten, um über gewaltige Bildschirme jeden Schund an Informationen zu verbreiten, den man in dieser zerrissenen Galaxis nur finden konnte.
Sie waren fast am Ende. Nein, nur umringt von Tonnen mechanisch bewegten Altmetalls. Sie waren keine Helden, nur Krieger. Krieger waren sie geworden, im roten Staub von Geonosis – und doch kaum mehr als Recycler von Eisen und Maschinenöl, Gasmagazinen und Plastplatten, die zu Rüstungen geformt worden waren.

Fordere Luftunterstützung an! In Deckung!

17 aus seiner Einheit hatte es erwischt. Zerlegt, zerschossen, zerfetzt von gnadenlosen Maschinen. In einem letzten Aufbäumen hatte CT-1000/4687 versucht, einen Sender für die Bomben zu platzieren. Lucky gab ihm Deckung. Vergeblich. Es gab keinen Grund, sich etwas vorzuwerfen, er und CT-1000/4692 hatten präzise Arbeit geleistet. Kampfdroide um Kampfdroide fiel ihren blauen Salven zum Opfer – und die Blastermagazine ihren Schüssen. Das Problem war einfach das Verhältnis. Die Chancen stehen nicht gut, wenn es 2:200 heißt. Und doch…

Als es 87 erwischte, lag bereits ein scharfer Thermaldetonator in seinem Schoß. Der vorletzte. Aber als sie aufblickten, sahen Lucky und sein Bruder, wie klapprige Beine sich vom Kampf entfernten. Die Droiden wurden zurückgerufen, die Handelsföderation versuchte vor dem Absetzen noch so viel an teurem Kriegsmaterial wie möglich mitzunehmen. Zu müde, um noch irgendetwas zu unternehmen, waren 92 und er zusammengesunken, eingedeckt vom rostigen Sand des Planeten und darauf wartend, dass jemand zum Aufräumen kam. Die Energie des DC-15 an seiner Seite war bei zwei Prozent angelangt. Man könnte es fast Glück nennen. Fast.

Auf und abschwellend. Ein leichtes Brummen. Das LAAT/i war einfach zu unverkennbar…

Nur ein Klon offenbar nicht. Sie kamen zum Aufräumen. Und ließen nichts übrig. Dem Piloten war kein Vorwurf zu machen, die Signatur der beiden Dinger da unter dem Dreck hätte alles bedeuten können und die Kämpfe waren seit mehr als zwei Stunden vorüber. Alles, was sich bewegte und nicht als Freund zu identifizieren war, zählte als Freiwild.
Zum Glück feuerte der Pilot nur die vorderen Geschütze ab. Mit der niedrigen Leistung. Nein. Niedriger. Ein Kanonenboot hatte immer genug Rumms dabei. Aus grünen Strahlen und weißer, staubverdreckter Rüstung wurde rot. Die Farbenlehre des Krieges.

Einheit 1000/4690, können Sie mich hören?
Ja.
Können sie sich bewegen?
Positiv.

Warten.

Wie ist sein Status?
Einheit 1000/4690 ist einsatztauglich. Er hatte Glück.
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„Na, mal wieder vom Glück verfolgt?“ Wenn Blitz neben ihm seinen Blaster abfeuerte, dann fragte sich niemand, woher der Spitzname kam.
„Schonmal mit dem General gesprochen?“
„Mit Kenobi? Wo glaubst du, sitze ich immer beim Mittagessen?“
„Dann solltest du vielleicht mal mit ihm reden. Nach seiner Erfahrung gibt es so etwas wie Glück nicht.“
„Und das, wo doch das lebende Beispiel neben mir steht…“
Hätte er Zeit gehabt – na gut, sie hatten ja im Grunde nie Zeit – dann hätte Blitz wohl bei seinen letzten Worten in gespieltem Unglauben den Kopf geschüttelt. Aber während dem „Job“, war erst recht kein Freiraum für Stumpfsinnigkeiten. Nur das hinderte irgendwie dann doch auch niemanden an leichter Konversation…
Blitz, CT-4336/8351 war ebenfalls Geonosis-Veteran. Und nebenbei bemerkt auch der Grund für Luckys Namen. Eine Woche in Bacta und zwei Operationen unmittelbar nach dem Kampf hatten aus CT-1000/4690 einen fast neuen Menschen gemacht. Milz und Leber waren ersetzt worden, nachdem das Rüstungsschrapnell von 92 ihm die Erstauflage seiner Organe durchbohrt hatte. Der rechte Lungenflügel hatte einen Flicken spendiert bekommen, mittlerweile schon komplett eingewachsen und leider hatte der 2-1B im Chirurgie-Saal keinen gebrochenen Knochen, den er richten konnte. Möglicherweise war er deshalb bei der Entlassung auch so reserviert – selbst für einen Droiden.

Bevor sie Lucky auf Geonosis die direkte Salve verpassten, schien den Männern im Kanonenboot ihr kleiner Irrtum doch klargeworden zu sein. Vielleicht auch nur, weil durch den Druck der Explosion die Zentimeterschichten an Dreck vom ID-Transmitter der Rüstung gefegt worden waren. In jedem Fall stellte das LAAT/i nach dem ersten Überflug das Feuer ein. Aber dafür durfte das Bergeteam 92 auch mitsamt dem Sand in Tüten verpacken…

„Du solltest lieber mal einen Blick auf elf Uhr werfen, denn ich weiß nicht so genau, ob ich dir noch Unterstützung geben will, wenn der Droideka da erst mal steht und deinen Kopf fordert…“ Ein Blitz.

Nachdem Lucky die Krankenstation der Redentor verlassen hatte, war er einer ebenfalls im Kampf auseinandergerissenen Einheit zugeteilt worden. Und mit ihm neun andere Klone. Blitz war wohl auch der erste Name in seiner Reihe, der im geläufig wurde. Irgendwie schaffte es bereits im nächsten Einsatz ein Zivilist eine Tretmine auszulösen, die ihn selbst beinahe erwischt hätte. Beinahe. Einmal ist Zufall. Zweimal ist Glück. Davon war CT-4336/8351 schon zu diesem Zeitpunkt überzeugt gewesen. So schnell bekam man einen Namen. Und Lucky hatte ihn sich im folgenden Jahr immer weiter verdient…

„Ziemlich glücklos, der Kerl…“
Das Besondere an Droidekas schien einfach nur aus Schilden zu bestehen, der Rest dieser Blechhaufen war einem Klonsoldaten gar nicht so unähnlich: Lieber am hinteren Ende der Wumme sitzen…

„Hey, Schützenkönig!“ Ein Offizier mit mattgrauen Markierungen – oder waren es Kratzer? – auf dem Helm näherte sich von links, geduckt durch den Graben rennend und darauf achtend, die zerschossenen Überreste menschlichen Fleisches am Boden nicht die untere Hälfte seiner Rüstung verdrecken zu lassen. „Dem Commander muss ziemlich der Hintern brennen, die brauchen noch jemanden, der sich mit Ultras auskennt. An der östlichen Linie muss ziemlich was los sein. Schnappt euch eines von den schönen Spielzeugen und schwingt eure hübschen Hintern aus diesem Drecksloch!“
„Aber Sir, diese Dro…“
„Ich formuliers anders: Befehl zum Abmarsch von ganz oben, tut mir ehrlich Leid Jungs, aber es hat sich wohl rumgesprochen, dass die Droiden euch nicht gerne abschießen. Wir kommen hier klar.“

Na schön, es war wohl wirklich zu viel des Guten, wenn ein Tag gut anfing. Krieg hin oder her, Luckys Einheit war im Graben unschlagbar. Diese Freaks von den Elite-Batallionen mochten zwar ordentlich was drauf haben, aber die zwanzig Haufen neben ihm bewiesen doch, dass Klaustrophobie im Stellungskampf fehl am Platz war.
„Verstanden Sir, sind auf dem Weg. Sagen Sie dem Commander, er soll Platz für uns machen.“
Lucky rannte los, Blitz auf den Fersen. Die Strahlen über ihren Köpfen sausten meterweit vorbei. Das hatte man von dem Ruf, ein Glückspilz zu sein.
„Wenn die da wirklich B3er aufgefahren haben, muss ich meine Rechnung nochmal überdenken – was haben wir denn Feines an Material?“ Blitz machte einen Satz zu Seite als das verbogene Ende eines Blasterkarabiners vor ihm in den Matsch sauste.
„Ich hab nur gehört, dass vor zwei Stunden eine neue Lieferung bis zu uns durchgekommen ist – Achtung, rechts!“ Dieser Krater war nicht sonderlich schön anzusehen…
„Seit wann verwenden die denn Detonatoren? Noch 200 Meter…“
Der provisorische Lagerraum war nicht recht viel mehr als die Reste eines Kellers, geschützt durch zweieinhalb verbliebene Wände, von deren zerschossenen Oberfläche brockenweise Schutt herunterfiel und einem Gestell aus Plast, das vom Pionier-Korps vier Tage vor Beginn der Belagerung wohl in weiser Voraussicht hergebracht worden war.
„DC-15, Plex…“
Verheißungsvoll war der falsche Begriff für die acht Kisten mit dem Kriegsemblem der Republik, die sich an der hinteren Wand stapelten. Die Gewehre daneben schienen zwar gewartet, aber ansonsten unterschieden sie sich von keiner der im Dienst befindlichen Waffen draußen. Die Raketen waren natürlich immer verlockend, aber auf einem so infanterielastigen Schlachtfeld wie diesem kaum zu gebrauchen…
„Hey, Lucky, was sind das für Pakete?“
Blitz wies mit dem Panzerhandschuh auf zwei relativ schmale Boxen in der Ecke.
„Vermutlich noch mehr Dezees, aber schau mal.“
„JACKPOT! Die haben uns doch tatsächlich ein Paar Rotierer geschickt!“

Aber auch ein Z-6 gewinnt noch keinen Krieg. Die nächsten 500 Meter waren gewunden, gesäumt von Leichen und Schwerstverwundeten, Feldchirurgen und einer immer stehenden, feuernden Reihe an Soldaten, die ihr Bestes gaben, sodass das Opfer der anderen nicht umsonst gewesen war. Immer wieder versperrte ein größerer Steinblock den Weg durch die Schützengräben der Republik, gesprengt aus den maroden Mauern der verlassenen Häuser im Rücken der Soldaten.
Wie viele solcher Gefechte hatte Luckys neue Einheit schon unbeschadet überstanden. Wie oft seit Geonosis waren sie in weitaus schlimmeren Situationen gelandet, ohne einen Ausweg in Sicht zu haben. Und doch, dieses Schlachtfeld war anders, voller unvorhersehbarer Faktoren, die einem beim Sprinten durch die Stellungen augenblicklich das Leben kosten konnte. Mörserfeuer prasselte in regelmäßiger werdenden Abständen auf sie nieder, je näher sie dem Epizentrum der Kämpfe kamen, dem alten Regierungsgebäude der Stadt.
Die alten, abgebrannten Stämme der einst prächtigen Gruur-Bäume drohten beim kleinsten Hauch umzufallen und die noch glühende Kohle auf den flexiblen Teilen der Klonrüstungen zu verteilen. Die westliche Flanke des Grabengeflechtes verlief knapp außerhalb der Stadt, doch dort, wo der große Felsgrat die Siedlungen durchschnitt und für Kampfdroiden ein Weiterkommen unmöglich machte, mussten noch die alten Schwebestraßen den Belastungen durch leichte Artillerie standhalten. Die GAR hatte in den vergangenen Tagen wieder Gelände gut gemacht. Zwar berichteten Truppen der Fernaufklärung recht schnell nach der Landung von Formationen aus Panzern und Transportern, aber sogar die Republikanische Armee war durch den Ansturm überrascht worden. Nach zwei Tagen waren mehr als drei Viertel der lokalen Miliz getötet worden und die Streitkräfte wieder ansatzweise geordnet genug, um zurückzuschlagen. Die letzten beiden Tage waren aus Luckys Sicht wieder erfolgreicher, zumindest das Stadtgebiet war – größtenteils – zurück unter der Herrschaft der weißen Soldaten. Aber mit genug Glück konnte man immer noch auf Blechhaufen mit dicken Blastern treffen.

Das Krachen war ohrenbetäubend und laut genug, um die Audiofilter des Helmes für eine Sekunde komplett abzuschalten. Wenn man auch immerzu an Glück denken musste.
„Da sind schon wieder ein paar von diesen Infiltratoren!“ Blitz schwang sich über eine kleine Mauer zu ihrer Rechten. „Halber Klick Richtung Südost, keine Ahnung woher diese Biester kommen…“
„Bestätige. Kannst du was erkennen?“
„Nicht die Spur. Wenn wir unsere Linien nicht bald durch die Straßen hier ziehen können, ist es kein Wunder, dass sie uns von allen Seiten treffen. Entfernung zum Commander?“
„Eins Komma neun Klicks Luftlinie – aber wir haben eine halbe Raffinerie und ein Drittel Kaufhaus dazwischen…“
„Schön, dass sie uns überhaupt noch irgendeine Deckung gelassen haben. Ich krieg kein Signal, egal was da zu uns kommt, es hat einen kleinen Störsender dabei. Erreichst du die Reserve?“
„Negativ. Ich weiß nicht, wieso immer wir so ein Glück haben und alleine unterwegs sein dürfen…“
„Muss auf deinem Mist wachsen. Na gut, schauen wir mal, ob mein Kleiner auch das hält, was die Etikette ver…“

Noch eine Erschütterung, ein Blitz, nur wenige Meter von dem Punkt der Straße entfernt, an welchem die beiden Klone noch einige Sekunden zuvor gestanden hatten. Ein Stützpfeiler geriet ins Wackeln, als der Druck der Detonation die letzte Statik nahm und brach zwei Schritte neben ihrem Versteck zusammen.
Ruhe. Aufregung in solch einer Situation war unprofessionell. Und tödlich. Glück war kein Begriff für ein schmutziges Ende. Normalerweise.

„Fordere Luftunterstützung an…“ Nein. Nicht wieder Geonosis. Es war nur ein Kampf, eine…

„LUCKY! B3, B3 auf ein Uhr!“ Die entsetzte Stimme riss Lucky zurück in die Realität. Und die Monstrosität vor ihm fegte jede unerwünschte Erinnerung an die orange Staubkugel hinweg. Das Ding war doppelt so groß wie die Soldaten selbst, hatte zwei massive Pranken mit aufmontierten Waffenläufen, zwei kleinere Blasterarme an den Hüften und einen beinahe in Panzerung erstickenden Schädel aus Metall. Der Raketenwerfer auf der Schulter rauchte verhängnisvoll. Daher also der Lärm…

„Ziel identifiziert. Ziel: Klonsoldat. Terminieren bestätigt.“

Mehr bekam keiner der beiden von der unheimlich brutal und doch gefühllos klingenden Stimme des Roboters mit. Ultra-Kampfdroiden, wie sie in der Armee geläufiger betitelt wurden, konnten mehr Schaden am Fleisch anrichten, als ein Droideka. Weit mehr.
„ZURÜCK! WIR BRAUCHEN MEHR DECKUNG!“
Im Rauch der Brandspuren, die der glücklicherweise recht unpräzise Blaster der Kriegsmaschine zog, rannten Lucky und Blitz blindlings in Richtung des alten Raffinerie-Gebäudes. Zu Glanzzeiten wäre hier Nova-Kristall geschliffen und verpackt worden, jetzt war die Halle nur noch eine Ansammlung demolierter und halb demontierter Gerätschaften. BUMM. BUMM. BUMM.
Der B3 war schwerfällig. Es schien unmöglich, aber wieder mussten sie Glück gehabt haben und eine frühere Detonation oder ein anderes Gefecht hatte den Motivator des Ultra-Droiden genug beschädigt um seine Peilsensoren in die Irre zu führen.
Aber nicht die der Raketen wie es schien.
Das Zischen kündigte den Baradium-Sprengkopf schon frühzeitig an und doch blieb Lucky kaum Zeit, sich aus der Schussbahn des Flugkörpers zu bewegen.
Die Zielrakete schoss an ihm vorbei, hinterließ eine rauchende Spur auf dem weiß-grauen Helm und schlug, in einem überwältigenden Feuerball detonierend, in die rückwärtige Wand der Halle ein.
Bevor er jedoch wieder auf die Beine rollen und das Gewehr an die Schulter bringen konnte, vernahm Lucky ein leises Surren von links. Instinktiv warf er sich wieder auf die Seite, doch als er aufsah, stand Blitz bereits breitbeinig im Eingang zur Fabrik und das Ding in seinen Händen spuckte einen Strom an heißem Plasma in Richtung der Metallbestie. Die blauen Strahlen verursachten eine Tiefe Kerbe auf der Legierung des B3 und die Wucht des Aufpralls brachte den Riesen sogar zum Vibrieren, doch weder konnte der Z-6 die Hülle komplett zum Schmelzen bringen, noch schien die Standfestigkeit des Droiden beeinträchtigt zu sein.
Lucky legte das Gewehr wieder an die Schulter und visierte den Kopf der Kampfmaschine an, feuerte einen Bolzen nach der anderen auf die Optischen Sensoren. Der Erfolg waren einige schwarze Beulen auf der glänzenden Oberfläche.

„Bewegst du dich mal, Glückspilz?“ Ein kurzer Blick zur Linken offenbarte den schmalen Wartungssteg, der quer über die Halle führte, nur unterbrochen von den Technikplattformen der großen Trägersäulen. Die Halle war mehr als drei Stockwerke hoch und in selber Tiefe nach unten gebaut, aber die eiserne Brücke schien stabil genug. Aus der geschützten Hocke heraus sprintete Lucky los, nahm die ersten 20 Meter des Steges ohne zurückzublicken und sprang hinter die erste Kontrolleinheit in Deckung. Der B3 hatte nur noch Augen für Blitz. Und seinen Flammenwerfer.
Der Schein des gasbetriebenen Feuers dunkelte das Visier der Helme ab und selbst der Thermoschutz einer Klonrüstung wäre unter der Hitze der Flammen verpufft. Die alten Stahlträger vor Blitz hielten stand. Und gaben Lucky genau die Sekunde und die Sicherheit, die notwendig waren, um…

„DETONATOR!“

Der Ultra-Kampfdroide lag verkohlt und rauchend am Boden, die rote Sensorlampe blinkte nur schwach im Rauch. Die Strukturen des Raumes drumherum fehlten oder waren verformt genug, um nur noch Rätsel über ihren ursprünglichen Zweck aufzugeben. Und Blitz. Lucky wollte sich seinen Blick nicht im Geringsten vorstellen, aber er wusste genau, wie das Gesicht unter dem rußverschmierten Helm aussah.
„Mach...das niemals…wieder!“ Schwer atmend schob sich sein Bruder unter einer Platte hervor, deren Plastbeschichtung verdampft worden war. Den Blaster hinter sich herschleifend torkelte er die ersten Schritte, um dann immer zielsicherer auf Lucky zuzukommen. „Oder ich zeig dir, was mein kleines Wunderstück hier noch so alles mit dir anstellen kann.“
„Naja, DEINE Lösung war nicht gerade effektiv…“
„Aber das hier findest du lustig?“
„Beschwer‘ dich nicht. Der General wartet auf uns. Kannst dich ruhig auch bedanken, wenn dir danach ist.“

Kurz vor den Überresten des alten Einkaufszentrums – also der Vorderen Fassade, welche abgestützt durch weitere Befestigungen der Armee die Rückseite der direkten Frontlinie bildete und einigen Brocken Schutt, die noch als Deckung übrig waren – stießen Lucky und Blitz wieder auf eine Einheit Soldaten, die ihren Mangel an Flüssigkeit und Schlaf etwas ausgleichen mussten. Sobald sie jedoch aus dem Schatten des Felsens, der die Stadt teilte und abschirmte, herausgetreten waren, wurde der Geräuschpegel wieder so hoch, dass an Ruhe selbst mit einem Helm kaum mehr zu denken war.
Die AT-TEs schienen gute Arbeit zu leisten.
Beide begannen die letzten Meter zu sprinten, mit Kurs auf den ehemaligen Hintereingang. Nur 100 Meter weiter vorne war bereits das Blinken und Glitzern schwerer Blaster im Staub zu sehen. Und eine blaue Lanze aus Licht, noch etwas weiter vorne. Auch aus dieser Entfernung waren jedoch die Umrisse der Gegner auszumachen. Und angesichts des einen, den sie gerade gebraten hatten, wusste Lucky nun, WARUM hier jeder Mann gebraucht wurde und jeder Verletzte ersetzt werden musste.

Da stand nicht ein Ultra-Droide. Auch nicht zwei. Lucky zählte mit bloßem Auge mehr als 20.
Blitz war ebenfalls wie angewurzelt stehen geblieben.
„Wusstest du eigentlich, wie viel Glück wir mit dem EINEN da hatten?“
„Genau das wollte ich dich auch gerade fragen…“
„Einer von der 41. hat mir mal erzählt, dass so ein Biest die Blaster eines AT-TEs überstanden hat. Und da draußen stehen…“

Weiter kam Lucky nicht. Zusammen mit dem, was mal vier Soldaten beim Rasten gewesen waren, sauste ein Kopfgroßer Block Gestein und jede Menge Blasterfeuer von hinten an ihren Köpfen vorbei. In einer Bewegung schleuderte Blitz den Rotationsblaster herum, wären Lucky noch in der Drehung in die Hocke ging und das DC-15A-Gewehr an die Schulter brachte. Wie der B3 den Thermaldetonator überstanden hatte und noch dazu kampffähig blieb wollte er nicht mehr wissen. Noch während er den Abzug drückte und seine Bewegungssensoren im HUD meldeten, dass von hinten Unterstützung kam, registrierte er den handbreiten Spalt zwischen Logikgehäuse und verzogener Panzerung. Auch die an den Hüften montierten Geschütze waren inaktiv und der Flammenwerfer rauchte im ausnahmsweise positiven Sinn.
Aber da war noch die gigantische Hand.
Auf Kamino hatte man den Soldaten antrainiert, instinktiv zu handeln. Und darum nahm Lucky all seine Kraft zusammen und machte in wenigen Sätzen den Abstand zwischen dem Droiden und ihm bedeutungslos. Ein Satz und er klammerte sich mit einer Hand an den Metalltorso, mit der anderen hielt er das Gewehr. In einem letzten Akt schier unmenschlicher Kraft zog er sich weiter an dem Monster hinauf und rammte mit aller Kraft die Mündung seines Blasters in die verhängnisvolle Öffnung. Der Ultra hatte mehr abbekommen, als im guttat, aber aus der Distanz war er immer noch bedrohlich genug für eine ganze Einheit aus Klonen. Auf den Nahkampf wirkte sich der beschädigte Taktikprozessor hervorragend aus. Erst, als Lucky den Abzug seiner DC-15 das erste Mal betätigte, spürte er einen schweren Schlag gegen die Rüstung und einen unvorstellbaren, brennenden Schmerz in der Magengegend. Er hörte die Rufe von Blitz und fünf weiteren Brüdern nicht mehr, er drückte nur immer weiter den Bügel unter seinem Finger.
Der B3 fiel. Rücklings, und Lucky, an ihm klammernd ebenfalls mit, fast drei Meter bis auf den verwüsteten Boden. Als er von der Brustplatte herab rutschte und dumpf neben dem Metallhaufen aufschlug, zog er eine dunkelrot glänzende Spur, ausgehend vom Zentrum seiner Schmerzen nach sich.

Blitz war als erster bei ihm. Er riss seinen Helm ab und rief etwas von durchalten, der General und eine Medieinheit seien schon fast da. Lucky hatte kaum mehr Kraft, um etwas zu verstehen, oder hervorzubringen.
„Habe… habe ich ihn erwischt?“
„Ja, Lucky, das hast du, direkt das Hirn rausgebraten.“
„Gut… ich…“
„Spar dir verdammt nochmal deine Kraft Soldat!“
Das hätte fast schon komisch sein können, wäre da nicht eine kleine Träne in Blitz Augen zu sehen gewesen. Hinter ihnen waren Stimmen zu hören, selbst über das Dauerfeuer hinweg. Sie waren nah.
„Pass auf…“ Ein Keuchen voller Blut. „…auf dich auf. Ich…ich…ich bringe dir Glück.“

Vielleicht war er sogar glücklicher dran als Blitz, wenn er das Ende des Sterbens nicht mehr mit ansehen musste. Lucky verzog das Gesicht zu einem Lächeln, als ihm jemand den Deckel vom Kopf nahm. Seine Schmerzen waren wie weggefegt und das Gefühl schwand aus seinen Gliedern.
Er nahm noch wahr, wie jemand mit seiner Stimme etwas sagte…

„General, er hat den Droiden erledigt.“
„Wie schwer ist er verwundet?“
„Das Ding hat ihm fast alle Organe zerfetzt, Sir…“

Er sah, wie sich Blitz‘ Mund bewegte, die Tränen über das Gesicht liefen, aber was sein Bruder brüllte, hörte er nicht mehr. Noch einmal lächelte Lucky, als die Szene vor seinen Augen dunkler wurde. Er war glücklich es geschafft zu haben.
Dann war alles schwarz.
 

Silverlos

The Listener
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166
Kenne deine erste zwar nicht,aber das klingt doch sehr interressant und schreit förmlich nach mehr!
 

CC Jay

Lang waren die dark ages...
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Ich will auch mehr! Her damit, das liest sich so toll, als sei es von James Luceno geschrieben^^
 
R

RC 1136

Guest
Update! Story ist online und bereit, gelesen zu werden. Ich freu mich über Kommentare, Tipps, Anregungen und Fragen! =)

Viel Spaß beim Lesen,
LG RC
 

markus1984

Bekanntes Mitglied
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So, nochmals gelesen da das letzte mal doch schon ne Zeit her ist =).
Einfach nur Hammer gemacht! Bei Geschichten bewerten tu ich mir noch schwerer als wie bei MOC`s, weil bei dem Themenbereich hab ich absolut keine Ahnung und kanns selber gar nicth :biggrin:, darum gibt es natürlich keine Verbesserungsvorschläge oder sonstiges.
Die Geschichte an sich ist wie schon der erste Teil absolut fesselnd und in bester Schriftsteller Qualität geschrieben, aber dein Talent für Berichte etc. kennen wir ja schon mittlerweile aus der IDS Post.

Auf jedenfall weitermachen und dann kannst ja mal den ersten Roman schreiben - bitte aber mit Zusammenhang zur OT :p.

Lg
Markus

PS: Du solltest dein Studium zu Journalismus oder so wechseln ;)
 
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