[Kurzgeschichte] Der Schatten

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RC 1136

Guest
Ohne große Worte, im Rahmen meines "Projektes" habe ich ein neues "Kapitel" verfasst, das sich - so hoffe ich zumindest - auch alleinstehend lesen lässt. Kommentare sind natürlich gerne gesehen, denkt ihr, die Atmosphäre passt? :)


Der Schatten (I)

Die Brüstung vor ihm trennte die Balkonfläche von einer beinahe 150 Meter tiefen Schlucht während links und rechts gewaltige Säulen aufragten. Aus der Ferne hätte man sie vielleicht für Dekorationen halten können, aber wer dem Imperium treu ergeben war wusste, dass für derartige Spielereien kein Platz existierte. Nicht außerhalb der luxuriösen Gemächer des Imperialen Palastes zumindest.
Die beiden Türme an seinen Flanken wurden von massiven Turbolasern geziert, gut verborgen unter der Steinoptik, aber jederzeit feuerbereit, sollte ein Angriffsversuch unternommen werden. Unter ihm erstreckte sich das weite Feld der Palastanlagen, gespickt von Stufenpyramiden und Statuen die nur einem von zwei Zwecken dienten: Einem Passanten die Macht und Größe der Herrscher zu demonstrieren oder – was in seinen Augen wesentlich sinnvoller erschien – Angst durch rohe Feuerkraft zu verbreiten.
Um den neuen Herrschaftssitz des Imperators zu errichten, hatten die Pioniertruppen bald nach Etablierung der Neuen Ordnung begonnen, alte Gebäude abzureißen und für das größte Bauwerk der neuen Hauptstadt Platz zu schaffen. Manche alte Struktur hatte man aus Gründen der Effizienz beibehalten und lediglich neu verkleidet, aber alles andere, jeder nutzlose Turm und jede unnötige Siedlung wurde dem Erdboden gleichgemacht.
Er blickte nach unten. Den Erdboden hatte hier schon lange niemand mehr gesehen, er selbst hatte als Feldherr hunderte, ja vielleicht sogar schon tausende Systeme bereist; Aber er konnte sich nicht entsinnen, jemals bis ganz nach unten vorgedrungen zu sein. Nicht, dass er dabei das Gefühl hatte, etwas verpasst zu haben. Was dort unten kreuchte und fleuchte war genauso unerheblich für die Neue Ordnung wie die Türme, die einst oder nun darüber standen.
Er blickte wieder nach vorne. Tausende Lebewesen tummelten sich auf den ausladenden Flächen, Diplomaten, Heuchler, Speichellecker, Offiziere und welche die sich dafür hielten, Soldaten. Obwohl im Imperium nichtmenschliche Wesen schnell zu Außenseitern wurden, war es doch überraschend, wie viele davon sich doch noch – jetzt, 18 Jahre nach den Klonkriegen – hier frei bewegten. Auf Imperial City hatten sich die Dinge langsamer verändert aber doch erfüllte ihn ein seltsames Gefühl der Zufriedenheit, wenn er den Blick von diesem Balkon aus über das Leben unter ihm schweifen lies. Nicht, dass ihn das Leben etwas bedeutete. Er selbst war bereits gestorben. Umgestaltet.
Darum wird die Republik umgestaltet werden, und zwar zum ersten, Galaktischen Imperium. Zum Wohle und Nutzen einer sicheren und stabilen Gesellschaft.
Die Skyline am Horizont, dort wo die Fläche des Palastes endete und Imperial City begann, hatte sich kaum verändert. Lichter blitzen und funkelten Tag und Nacht, nie schlafend, ruhelos. Die Kuppel des Senates war in der Ferne noch zu erkennen, ein gewaltiger, runder Bau, das große Theater, in dem die letzten Marionetten des Imperators noch tanzten. Doch er sah das Ende der Vorstellung bereits. Der schwarze Vorhang würde sich bald schließen und auch die letzten Gaukler der alten Zeit würden dahin gehen, wo sie seiner Meinung schon viel länger hätten hingehört.
Sein Blick wanderte weiter. Noch immer vergnügten sich die Reichen und scheinbar Mächtigen in den Luxusvierteln und wahrten den Schein, während das Licht der fernen Sonne verblasste, bis es schließlich erlosch. So, wie das Licht der Jedi verloschen war. Wieder wanderte sein Blick weiter, zu den nur noch schemenhaft erkennbaren Umrissen dessen, was einst wohl das beeindruckendste Gebäude des Planeten gewesen war. Die trapezförmige Silhouette mit ihren fünf Türmen lag verwaist da, ein Mahnmal für alle, die noch aus der alten Zeit stammten und jene, die versuchten sich an sie zu erinnern. Alle Jedi waren tot, ausgelöscht von den Armeen des neuen Imperiums. Zumindest sagte man sich das auf den Straßen von Imperial City, hinter vorgehaltener Hand und voller Angst. Die Verräter nannte man sie dort, wo der Imperator seine Macht bereits festigen konnte, wo noch Unentschlossenheit herrschte, gab es kaum einen einheitlichen Namen. Nur dort, wo die Rebellion keimte wurden sie noch beim Namen genannt und als Hoffnung bezeichnet. Hoffnung, wofür? Er hatte viele Augen und Ohren, so wie der Imperator viele Hände und einen langen Arm hatte. Dort, wo es noch Hoffnung gab waren die weißen Sturmtruppen, die neuen Friedenshüter und Bringer der Gerechtigkeit zur Stelle, um deutlich zu machen worauf man besser seine Erwartungen richtete.
Er konnte den Rauch beinahe noch sehen, so wie sie ihn damals gesehen haben musste. Aber auch für sie hatte es keine Hoffnung mehr gegeben, obwohl er alles dafür getan hatte.
Eine Kette Sternjäger kreischte über den Palast hinweg, wie die Turmfalken auf der Jagd. Jetzt jagten sie die Menschen und alle anderen Rassen dieser Welt, die dort unten in irgendeiner Form übrig geblieben waren, schoss es ihm in den Kopf. Zerstörten ihre Augen und ihr Licht, um einer neuen Farbe Raum zu geben. Er hatte keine echten Augen mehr. Er sah nicht mehr, er fiel. Und doch war er stark genug gewesen, nicht aufzuschlagen. Bis jetzt. Der Aufprall musste schmerzhaft sein, für die, die ihn erlebt hatten.
Ein Piepsen riss ihn aus seinen Gedanken. Er wandte sich der schwarzen Steinmauer hinter ihm zu, ohne einen weiteren Blick in die Ferne. Was bedeutete schon die Vergangenheit, wenn ihn die Gegenwart rief. Stumm öffnete er die Tür, sein Gast musste sich bemerkbar gemacht haben. Er durchschritt Korridore, die niederen Wesen ignorierend, welche seinen Weg säumten.
Er erreichte den Raum, trat ein, schloss die Tür, dann durchmaß er die Dunkelheit mit langen Schritten. Der Holoprojektor flackerte. Eine riesenhafte Gestalt formte sich, mit spitzen Klauen, in einen Umhang gehüllt und mit einem pfeilartigen Kopf. Ihr Körper war schwarz und bestand aus den Sternen, die hellsten beiden funkelten wie Augen herab. Er kannte ihn, er hatte ihn und seine treu ergebenen Soldaten erwartet. Er sprach ein einziges Wort, das Aufmerksamkeit signalisierte. „Blackhole“
Eine Reihe schwarz gepanzerter Soldaten löste sich aus der Dunkelheit, er hatte bereits gewusst, dass sie hier waren.

Wer ist es?
„Lord Vader. Ich habe Informationen für Euch. Es gibt Arbeit…“

LG vom RC ;)
 
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Hi

Ich schreibe dir mal meine Meinung zur Kurzgeschichte hier rein.

Die Geschichte ist echt fesselnd, wurde förmlich in die Geschichte reingesogen und war schon fast traurig als sie zu Ende war. Wie bei den vielen guten Romanen aus dem Star Wars Universum, du hast die Kurzgeschichte nicht schlechter geschrieben, es ist spannend dem Erzähler zu "zuhören". Dies zeigt einen hervorragenden Schreibstill und du zeigst wie das SW-Universum ist auf und machst die Geschichte zu einer authentische Erzählung, welche auch echt und 100% Kanon sein kann. Also ich war sehr positiv überrascht und werde definitiv den nächsten Teil der Geschichte lesen!

Also Leute nehmt euch die wenige Zeit, diese schöne Geschichte zu lesen, es lohnt sich!

MTFBWY!
Maik
 

markus1984

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Mhhh was schreibt man da, vor allem da JM eigentlich schon genau das erwähnt hat was ich nur bestätigen kann!
Fesselnd geschrieben und könnte definitiv eine originale Geschichte sein.

Tut Leid für die wenigen Worte aber recht viel mehr kann ich hier nicht ergänzen =).

LG
Markus
 
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